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Pflege

Der große Pflege-Guide: So bleiben Lieblingsstücke lange schön

Was die Hinweise auf dem Etikett wirklich bedeuten, welche fünf Regeln für fast alles gelten und wie du Strick, Denim und fließende Stoffe so pflegst, dass sie Jahre halten.

Gefalteter Strick mit Wollkamm, Seife und Bürste

Gute Kleidung zu pflegen klingt nach Arbeit. Dabei ist das Gegenteil wahr: Der größte Teil guter Pflege besteht aus Weglassen. Weniger waschen, weniger Hitze, weniger Trockner. Wer das verinnerlicht, hat schon achtzig Prozent geschafft.

Die restlichen zwanzig Prozent stehen auf dem Etikett: in einer Zeichensprache, die kaum jemand fließend liest, und in Formulierungen wie „Schonwäsche“ oder „bis zu 5 % Schrumpfung möglich“, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Dieser Guide übersetzt sie alle und gibt dir für jede Faserfamilie das Wichtigste an die Hand.

Die fünf Grundregeln

Egal ob Strick, Denim oder Crêpe, diese fünf Regeln gelten fast immer:

  1. Lüften schlägt Waschen. Die meisten Kleidungsstücke sind nach dem Tragen nicht schmutzig, nur getragen. Über Nacht ans Fenster gehängt, sind sie am Morgen wieder frisch. Jede eingesparte Wäsche verlängert das Leben des Stücks.
  2. Kalt und langsam gewinnt. 30 Grad und Schonwaschgang reichen für fast alles. Hitze und schnelles Schleudern sind für Fasern das, was Sonnenbrand für die Haut ist.
  3. Der Trockner ist der Feind. Kaum ein hochwertiges Stück gehört hinein. Er kostet Faserlänge, Farbe und Elastizität und ist für die meisten eingelaufenen Pullover verantwortlich.
  4. Richtig trocknen. Strick liegend auf dem Handtuch, Webstoffe hängend in Form gezogen. So erledigt sich das halbe Bügeln von selbst. Zügig getrocknete Wäsche riecht außerdem besser, denn muffiger Geruch entsteht, wenn Feuchtigkeit zu lange in der Faser bleibt.
  5. Richtig lagern. Strick gefaltet ins Regal, Blusen und Kleider auf gute Bügel. Und alles, was aus Wolle ist, in Gesellschaft von Zedernholz oder Lavendel.

Was auf unseren Etiketten steht

Bei jedem Stück im Shop findest du unter „Material & Pflege“ die Herstellerhinweise. Das bedeuten sie im Klartext:

30 °C Schonwäsche: Feinwaschgang mit reduzierter Trommelbewegung und sanftem Schleudern, kalt bis lauwarm. Nicht zu verwechseln mit dem normalen 30-Grad-Programm: Der Unterschied liegt in der Mechanik, nicht nur in der Temperatur.

Auf links waschen: Das Stück vor der Wäsche wenden. Schützt Oberfläche, Farbe und Details wie Prints oder Knöpfe vor Reibung. Bei Denim und dunklen Farben Pflicht.

Nicht bleichen: Gilt praktisch immer, also keine chlor- oder sauerstoffhaltigen Bleichmittel. Auch Vollwaschmittel enthält Bleiche, für Farbiges und Feines deshalb Color- oder Feinwaschmittel verwenden.

Nicht im Trockner trocknen: Wörtlich nehmen. Die Kombination aus Hitze und Trommelbewegung lässt Fasern schrumpfen und Elasthan altern.

Flach liegend trocknen: Für Strick entscheidend. Nass hängend zieht das Eigengewicht das Stück aus der Form. Auf einem Handtuch in Form legen, gelegentlich wenden.

Bei niedriger Temperatur bügeln: Stufe eins, ein Punkt auf dem Bügeleisen. Bei empfindlichen Oberflächen ein Tuch dazwischenlegen; oft reicht Dampf aus etwas Abstand völlig.

Keine chemische Reinigung / schonende chemische Reinigung möglich: Sagt dir, ob das Stück in die Textilreinigung darf. „Schonend möglich“ heißt: erlaubt, aber selten nötig. Die Hinweise davor reichen im Alltag.

Bis zu 5 % Schrumpfung möglich: Eine ehrliche Ansage des Herstellers. Naturfasern können bei der ersten Wäsche minimal eingehen, das ist eingeplant und kein Mangel. Wichtig nur: Temperatur einhalten, dann bleibt es bei den wenigen Prozent.

Die Zeichensprache: Waschsymbole lesen

Die eingenähten Symbole folgen weltweit demselben System, fünf Zeichenfamilien, die du nur einmal verstehen musst: Der Bottich steht fürs Waschen (die Zahl ist die Höchsttemperatur, ein Strich darunter heißt Schonwaschgang, zwei Striche Feinwäsche), das Dreieck fürs Bleichen, das Quadrat fürs Trocknen (Kreis im Quadrat = Trockner, Strich im Quadrat = liegend), das Bügeleisen mit seinen Punkten für die Temperatur und der Kreis für die professionelle Reinigung. Ist ein Symbol durchgestrichen: verboten.

Die fünf wichtigsten Waschsymbole erklärt
Die häufigste Kombination auf unseren Etiketten, einmal übersetzt

Wolle & Strick

Wolle will fast nie gewaschen werden. Das ist keine Faulheits-Ausrede, sondern Faserbiologie: Das Keratin der Wollfaser baut geruchsbildende Bakterien aktiv ab, die schuppige Faseroberfläche macht es ihnen zusätzlich schwer, sich überhaupt anzusiedeln. Deshalb reicht Lüften bei Wolle fast immer. Wenn doch gewaschen wird: Handwäsche oder Wollprogramm, kaltes Wasser, Wollwaschmittel, niemals wringen. Danach liegend trocknen und gefaltet lagern. Pilling ist kein Mangel, sondern Physik. Ein Wollkamm entfernt die Knötchen in Minuten.

Alles zu Merino, Mohair und Alpaka, inklusive Steckbriefen, liest du im großen Strick-Ratgeber.

Denim

Die kürzeste Pflegeanleitung von allen: fast nie waschen. Lüften, Flecken punktuell behandeln, und wenn es sein muss: auf links, kalt, mit ähnlichen Farben. Neue dunkle Jeans färben die ersten Wäschen ab, das ist Indigo-Natur. Mehr im Denim-Ratgeber.

Viskose, Modal & Lyocell

Die fließenden Holzfasern haben eine Schwachstelle: Nässe. Nass verlieren sie Reißfestigkeit. Deshalb nie wringen und schwere Teile nicht nass aufhängen, sondern in ein Handtuch rollen und liegend trocknen. Knitter verschwinden mit Dampf fast von selbst. Die Details stehen im Zellulosefaser-Ratgeber.

Baumwolle

Die Unkomplizierteste: 30 bis 40 Grad, Weißes konsequent separat, Trockner sparsam. Wer weiße Shirts weiß halten will, braucht keine Tricks, nur Disziplin bei der Sortierung. Mehr im Baumwoll-Ratgeber.

Kunstfasern & Crêpe

Polyester und Co. sind pflegeleicht, fürchten aber Hitze: kalt waschen, kein Weichspüler, kein Trockner. Das Elasthan dankt es. Feine Stücke ins Wäschenetz, das schützt den Stoff und hält Mikrofasern zurück. Die ganze Einordnung gibt es im Kunstfaser-Ratgeber.

Wenn Kleidung riecht: was wirklich hilft

Geruch in Kleidung entsteht nicht durch Schweiß selbst, frischer Schweiß ist nahezu geruchlos. Erst wenn Bakterien ihn und die Hautfette zersetzen, entstehen die typischen Gerüche. Deshalb riechen Kunstfasern schneller als Wolle: Sie speichern Feuchtigkeit an der Oberfläche, wo Bakterien beste Bedingungen finden, während Wolle sie im Faserinneren bindet und mit ihrem Keratin sogar aktiv gegen die Bakterien arbeitet.

Die erste Hilfe ist immer Luft: über Nacht ans offene Fenster oder, noch besser, in die feuchte Luft des Badezimmers nach dem Duschen. Der Dampf entspannt die Faser und trägt Geruchsmoleküle heraus. Reicht das nicht, helfen zwei bewährte Einweichbäder vor der normalen Wäsche:

  1. Das Natron-Bad. Ein bis zwei Esslöffel Natron auf zehn Liter lauwarmes Wasser, das Stück eine Stunde einweichen, danach normal waschen. Natron neutralisiert Geruchssäuren zuverlässig. Bei kräftigen Farben aber sparsam dosieren, es wirkt leicht bleichend.
  2. Das Essig-Bad. Ein Teil heller Essig auf vier bis fünf Teile Wasser, eine Stunde bis über Nacht einweichen, anschließend normal waschen. Essig löst Deo- und Waschmittelrückstände, in denen sich Geruchsbakterien halten. Bei Stücken mit hohem Elasthan-Anteil nur gelegentlich anwenden.
  3. Hartnäckige Fälle: Sonne und Zeit. Nach dem Waschen draußen im Schatten oder bei unempfindlichen hellen Teilen kurz in der Sonne trocknen, frische Luft und UV-Licht erledigen den Rest. Wichtig: Wäsche nie feucht liegen lassen, weder in der Maschine noch im Korb.

Und ein Mythos gehört entsorgt: Die Jeans ins Gefrierfach zu legen bringt nichts. Kälte tötet die Geruchsbakterien nicht, sie legt sie nur schlafen. Sobald der Stoff Körperwärme bekommt, wachen sie auf, und die Schweiß- und Fettrückstände, von denen sie leben, waren ohnehin nie weg. Lüften wirkt besser, ein Einweichbad wirkt gründlich.

Erst die Maschine verdächtigen

Riecht die gesamte Wäsche muffig, liegt es selten an der Kleidung, sondern fast immer an der Waschmaschine: In Dichtung, Fach und Trommel bildet sich bei ewigen 30-Grad-Wäschen ein Biofilm aus Bakterien. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, alle drei bis vier Wochen eine 60-Grad-Wäsche mit bleichmittelhaltigem Pulver-Vollwaschmittel laufen zu lassen. Dazu Tür und Waschmittelfach zwischen den Wäschen offen stehen lassen und die Gummidichtung gelegentlich trocken wischen.

Aufbewahren & Saisonwechsel

Gefaltete Strickstapel im Regal mit Zedernholz und Lavendel
Gefaltet, luftig, mit Zedernholz: so überdauert Strick jede Saison

Die Grundregel: Alles, was sich dehnen kann, wird gefaltet, alles, was knittern kann, wird gehängt. Strick gehört also ins Regal, Blusen und Kleider auf Bügel mit breiten Schultern. Und der Schrank braucht Luft: Dicht gepresste Kleidung knittert, mufft und nutzt sich aneinander ab.

Beim Saisonwechsel gilt: nur Gewaschenes einlagern (Motten lieben Tragespuren), Wollstücke in atmungsaktiven Beuteln oder mit Zedernholz und Lavendel als natürlichem Schutz. Plastiktüten sind tabu, sie schließen Feuchtigkeit ein.

Die Sonntags-Viertelstunde

Einmal pro Woche fünfzehn Minuten: getragene Stücke lüften, Strick auffälteln, Knötchen kämmen, lose Knöpfe nachziehen. Klingt unspektakulär, ist aber der Unterschied zwischen einer Garderobe, die zwei Jahre hält, und einer, die zehn Jahre begleitet.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich meine Kleidung wirklich waschen?

Deutlich seltener als gewohnt: Strick nach vier bis fünf Trageeinheiten oder einmal pro Saison, Jeans nach acht bis zehn, Shirts direkt auf der Haut nach ein bis zwei. Alles dazwischen erledigt Lüften.

Hilft Einfrieren gegen Gerüche?

Nein, das ist ein zäher Mythos. Kälte versetzt Geruchsbakterien nur in einen Ruhezustand, statt sie abzutöten; bei Körperwärme geht es weiter wie vorher. Was wirkt: lüften, ein Natron- oder Essig-Einweichbad und gründliches Trocknen.

Was ist der Unterschied zwischen Schonwaschgang und Feinwäsche?

Beide arbeiten mit mehr Wasser und weniger Bewegung als Normalprogramme. Die Feinwäsche ist die sanfteste Stufe mit minimalem Schleudern, gedacht für Viskose, Seide und alles mit „Handwäsche“-Nähe. Der Schonwaschgang liegt dazwischen und reicht für die meisten unserer Stücke.

Mein Pullover ist eingelaufen, ist er verloren?

Nicht unbedingt: Lauwarm mit einem Schuss Haarspülung einweichen, vorsichtig in Form ziehen, liegend trocknen. Eine halbe Größe lässt sich oft zurückholen. Und beim nächsten Mal: Temperatur prüfen und den Trockner auslassen.

Brauche ich Spezialwaschmittel?

Zwei reichen: ein Colorwaschmittel für fast alles und ein Wollwaschmittel für Strick und Feines. Vollwaschmittel nur für weiße Baumwolle, es enthält Bleiche. Weichspüler braucht keine einzige unserer Fasern.

Und falls du bei einem bestimmten Stück unsicher bist: Auf jeder Produktseite findest du unter „Material & Pflege“ die konkreten Hinweise, oder du fragst uns einfach direkt, wir helfen persönlich weiter.

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